25.10.2018

Neue Stiftungsprofessur für „Additive Manufacturing“

Im Rahmen einer Pressekonferenz wurde an der Montanuniversität Leoben die neue Stiftungsprofessur für „Additive Manufacturing“ vorgestellt. Gemeinsam mit den Industrievertretern Dipl.-Ing. Stefan Pierer (Pierer Industrie AG) und Dipl.-Ing. Franz Rotter (Vorstandsmitglied der voestalpine AG und Leiter der High Performance Metals Division) wurden die Weichen für die kommenden Jahre gestellt.

Bei der heutigen Pressekonferenz wurde die neue Stiftungsprofessur vorgestellt. v.l.n.r. Dipl.-Ing. Franz Rotter (voestalpine, High Performance Metals Division), Rektor Wilfried Eichlseder, Dipl.-Ing. Stefan Pierer (Pankl Racing Systems) (Fotocredit: Montanuniversität Leoben)

Stiftungsprofessur

Die Einrichtung dieser Stiftungsprofessur soll sowohl für die zielgerichtete, umfassende Ausbildung von akademischen Nachwuchsingenieuren sorgen als auch zur koordinierten fachübergreifenden Bearbeitung von Forschungsfragen (von der Grundlagenforschung bis zur angewandten Forschung) dienen. Die Finanzierung von Seiten der Industrie ist für 5 Jahre anberaumt.

Additive Manufacturing

Additive Manufacturing oder Additive Fertigung bezeichnet einen Prozess, bei dem auf der Basis von digitalen 3-D-Konstruktionsdaten durch das Ablagern von Material schichtweise ein Bauteil aufgebaut wird. Dabei handelt es sich um ein innovatives Produktionsverfahren, das sich deutlich von konventionellen, abtragenden Fertigungsmethoden unterscheidet. Anstatt zum Beispiel ein Werkstück aus einem festen Block mit Bearbeitungswerkzeugen herauszuarbeiten, baut die Additive Fertigung Bauteile Schicht für Schicht aus Werkstoffen auf, die als feines Pulver vorliegen. Dadurch vermindern sich die Abfallprodukte und die Bearbeitungskosten bei der Herstellung enorm. Mit dieser Fertigungstechnologie ist es möglich, Bauteile mit komplizierten Formen herzustellen, die auf konventionellem Weg nicht erzeugt werden können.

Mit Unterstützung der Industrie

Die Stiftungsprofessur wird seitens der Industrie von Pankl Racing Systems und dem voestalpine-Konzern unterstützt. „Als weltweit führender Technologie- und Industriegüterkonzern ist es unser Ziel, das Know-how der voestalpine im Bereich revolutionärer Produktionsverfahren wie der Additiven Fertigung konsequent weiterzuentwickeln. Mit der neuen Stiftungsprofessur können wir dieses Themenfeld noch intensiver bearbeiten und unsere bestehende Wertschöpfungskette von der Herstellung des Metallpulvers über das Design bis zur Produktion von einbaufertigen Komponenten im 3-D-Druckverfahren entsprechend ergänzen und unsere Position als Komplettanbieter in diesem Zukunftsmarkt weiter ausbauen“, so Franz Rotter, Vorstandsmitglied der voestalpine AG und Leiter der High Performance Metals Division. In der Steiermark produziert die voestalpine am Standort Kapfenberg bereits jetzt höchstqualitatives Metallpulver, das in den internationalen „Additive Manufacturing Centern“ des Konzerns - beispielsweise in Düsseldorf, Toronto, Singapur oder Taiwan  - mittels 3D-Druckern zu fertigen Bauteilen verarbeitet wird. Auch für den Aufsichtsratsvorsitzenden von Pankl Racing Systems, Dipl.-Ing. Stefan Pierer ist diese Stiftungsprofessur für die Weiterentwicklung des Unternehmens unverzichtbar: „Additive Manufacturing wird viele Herstellungsprozesse revolutionieren. Pankl hat als Hightech-Firma sowohl die metallurgische Kompetenz als auch die Notwendigkeit, bei der Weiterentwicklung dieser Technologie ganz vorn dabei zu sein“, so Pierer. Jährlich fließen von den Industriepartnern voestalpine und Pankl rund 700.000 Euro. Abgedeckt werden damit neben der Professur unter anderem 2 Postdocs und 4 Dissertanten.

Neue Ansätze in der Lehre

Der neue Schwerpunkt wird vor allem die Studienrichtungen Werkstoffwissenschaft und Montanmaschinenbau bereichern. „Ziel der Lehre ist die gesamtheitliche, interdisziplinäre Darstellung der ‚Additive Manufacturing‘-Technologien und ihrer vor- bzw. nachgelagerten Prozesse“, erläutert Rektor Wilfried Eichlseder. „Dabei werden die Prozesse vom Pulver bzw. Draht bis zum Bauteil aus metallurgischer, werkstoffkundlicher, prozesstechnologischer und konstruktiver Sicht unter besonderer Berücksichtigung wirtschaftlicher Aspekte betrachtet“, so Eichlseder abschließend.

Wissenschaftliche Ausrichtung

Die neue Stiftungsprofessur wird sich mit drei großen Themenbereichen beschäftigen:

  • Werkstoff: Legierungsdesign, Legierungsattribute / Charakterisierung, Pulverherstellung / Pulverqualität, Metallurgie
  • Bauteil: Bauteilgestaltung / Design, Bauteileigenschaften / Charakterisierung, Numerische Simulation, Lebensdauer / Betriebsfestigkeit, Wirtschaftlichkeit
  • Prozesstechnik: Bauteilherstellung, Prozessparameter, Prozesssimulation, Post Processing

Weitere Informationen:
Erhard Skupa
E-Mail: erhard.skupa(at)unileoben.ac.at
Tel.: 03842/402-7220, +43 664 80 898 7220